đŸ‡«đŸ‡· MAGALI & FRANÇOISE

Hoenheim, Dezember 2021

Zusammenfiden

Mit ihren 93 Jahren Ă€rgert sich meine Großmutter oft darĂŒber, dass sie mit zunehmendem Alter viele Zentimeter verloren hat. Sie bemĂŒht sich sehr, beim Gehen ihren RĂŒcken gerade zu halten, in der Hoffnung, dadurch grĂ¶ĂŸer zu wirken. Sie geht heute noch tĂ€glich zwischen 30 Minuten und einer Stunde mit einem sicheren Schritt spazieren. Françoise hat eingefallene Wangen und die oberen ZĂ€hne stehen etwas vor, ihr Teint ist wie von der Sonne das ganze Jahr ĂŒber gebrĂ€unt, obwohl sie in Nantes lebt! Meine Großmutter ist noch ganz bei Sinnen, auch wenn sie nicht mehr so gut hört, ihre Stimme ist noch stark genug, um sich auch bei großen Familienessen Gehör zu verschaffen. Übrigens ist Mamie dieses Jahr mit einem Teil der Familie von Nantes nach Straßburg – besser gesagt nach Hoenheim, einer kleinen Stadt in der NĂ€he von Straßburg mit etwa 11 000 Einwohnern–- geflogen, um dort Weihnachten zu feiern. Wir haben uns eine Weile aus dem Trubel der Weihnachtsvorbereitungen zurĂŒckgezogen, um das Interview fĂŒr das „Oma-Projekt“, wie wir es umgangssprachlich nennen, zu fĂŒhren. 

Meine Großmutter hat in ihrem Leben schon viele Reisen unternommen: Sie hat Syrien und die AusgrabungsstĂ€tte Palmyra besucht, reiste nach Tansania, war Bergsteigen in den Alpen und unternahm noch viele weitere Reisen. Aber ihre allererste große Reise war wahrscheinlich die prĂ€gendste in ihrem Leben. 1953, kurz nach ihrer Hochzeit, beschlossen Hubert (mein Großvater) und Françoise ins Ausland zu gehen (mein Großvater wurde beruflich versetzt) und so verließ meine Großmutter zum ersten Mal Frankreich.

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Mit 26 Jahren, ich war noch nicht sehr lange verheiratet, hatte ich mein erstes Kind, Bertrand, bekommen und wir waren in Marokko. Es war also ein wenig 
 – nicht ein wenig, ein völlig neues Leben fĂŒr mich, denn dein Opa und ich hatten beschlossen, Frankreich zu verlassen, Paris zu verlassen! Wir wollten Paris verlassen. Opa hatte eine Arbeit in Rabat und kurz darauf in Fes gefunden, im marokkanischen Landwirtschaftsministerium. Und ich fand einen Halbtagsjob als SekretĂ€rin in einer Salzmine. Bis dahin hatte ich noch nie Frankreich verlassen.

 Die Reise machten wir mit dem Schiff, weil das gĂŒnstiger war als zu fliegen. Damals war Fliegen ein Luxusgut. Und dann, mit 26 Jahren, ging es darum, ein anderes Land und eine andere Kultur zu entdecken. Vor allem in ein muslimisches Land zu kommen war ganz neu, die arabische Kultur kannte ich ĂŒberhaupt nicht. Alles war neu. Wir haben einen Arabischkurs besucht. Damals hatten Franzosen, die dort lebten, zu uns gesagt: „Ihr braucht kein Arabisch zu lernen, sie (die Marokkaner*innen) mĂŒssen nur Französisch lernen.“ Es war noch die Zeit der Kolonialisierung mit der Vorherrschaft der christlich-abendlĂ€ndischen Kultur. Das war eine echte Entdeckung. 

Wir blieben drei Jahre in Marokko, bis zur UnabhĂ€ngigkeit [Marokkos im Jahr 1956]. Es war nicht so wie in Algerien, aber wir bekamen trotzdem die Nachwirkungen des Algerienkriegs und des UnabhĂ€ngigkeitskriegs zu spĂŒren. Ich erinnere mich noch sehr gut an das erste Attentat im Aures-Tal (Massiv in Algerien), das der Startschuss fĂŒr das war, was man nicht Algerienkrieg nannte, was aber der Algerienkrieg war. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich im Moment des Attentats dachte: „Oha, da haben wir uns auf etwas Schlimmes eingelassen. Ich war damals mit Bertrand schwanger. 

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Wir sitzen im Esszimmer an einem großen Tisch mit mehreren Ausziehplatten, um alle GĂ€ste des Weihnachtsessens unterzubringen. Eine große, tiefrote Tischdecke bedeckt den alten Holztisch. Es wurden StĂŒhle aus allen Ecken des Hauses hergebracht, damit alle Platz nehmen können. Trotz des Anstiegs der Covid-FĂ€lle wird das Weihnachtsfest mit der Familie beibehalten, das Tragen von Masken wird nach einigen Stunden etwas vernachlĂ€ssigt. 

Als meine Großmutter 26 Jahre alt war, blickte sie sehr zuversichtlich und optimistisch in die Zukunft; alles war möglich. Es war eine euphorische Zeit, in der sich alle von dem langen Krieg erholten, der so viel Schaden angerichtet hatte. Meine Großmutter ist nicht glĂ€ubig, schĂ€tzt aber die SpiritualitĂ€t der Religion oder vielmehr der Religionen im Plural. Sie stammt aus einer eher bĂŒrgerlichen, militĂ€rischen und sehr katholischen Familie in Paris. In Marokko schließt sie sich einer linksgerichteten christlichen Bewegung namens La Vie Nouvelle an. Die Entdeckung einer neuen Kultur und die GesprĂ€chsrunden innerhalb der Bewegung regten sie zum Nachdenken an: „In diesem Moment entdecke ich, dass es nicht nur mein Milieu gibt. Es gibt nicht nur meine Kultur und mein Umfeld. Ich entdecke, dass es mehrere Wege und Arten gibt, in meiner eigenen Gesellschaft zu sein.“

Andere Wege in der Gesellschaft zu sein, hat uns das Coronavirus nicht nÀher gebracht, sondern vielmehr aufgezwungen. Mit 26 Jahren bin auch ich bereits viel gereist, habe in verschiedenen LÀndern gewohnt und studiert. Aber die radikalsten VerÀnderungen, die in meinem Leben und im Leben vieler Menschen seit dem Ende des Jahres 2021 stattgefunden haben, sind die wiederholten Lockdowns und EinschrÀnkungen.

Im Dezember 2021 erhole ich mich gerade von dem, was ich im Laufe des Jahres erlebt habe. Im Sommer 2021 habe ich meine Masterarbeit abgegeben und damit meinen Master abgeschlossen. Eigentlich etwas, worĂŒber man sich freuen sollte. Aber nach eineinhalb Jahren COVID-EinschrĂ€nkungen und drei Monaten totaler Selbstisolation bin ich erschöpft. Ich gab meine Masterarbeit voller Rechtschreibfehler und unvollendeter SĂ€tze ab. Meine deutsche Großmutter starb vier Stunden, nachdem ich meine Arbeit abgegeben hatte. Sie wusste, dass ich eine schwere Zeit durchmachte. Meine gesamte deutsche Familie wusste, dass meine Oma in gewisser Weise nur darauf wartete, dass ich mit meiner Masterarbeit fertig wurde, um loszulassen. Wenn ich diese Geschichte erzĂ€hle, schauen mich viele Leute mitleidig an. Ich hingegen bin wirklich beeindruckt von der WiderstandsfĂ€higkeit meiner Großmutter auf dem Sterbebett, die den Zeitpunkt wĂ€hlte, an dem sie bereit war, loszulassen. Im gleichen Sommer hatte ich einen Job bei dem Wahlkampf der Berliner SPD verloren, weil ich nicht in der Lage war, neue Informationen aufzunehmen und mich in vollstĂ€ndigen SĂ€tzen meinen neuen Kolleg:innen vorzustellen – ich, die sonst liebend gerne mit Fremden ins GesprĂ€ch kommt.

Den Sommer 2021 ĂŒber war ich so wĂŒtend auf mich selbst und schĂ€mte mich, dass ich mich selbst, meine Freunde und meine Familie in so kurzer Zeit im Stich gelassen hatte. Ich verletzte mich selbst und hatte blaue Flecken an den Beinen und Armen. Das war die einzige Möglichkeit fĂŒr mich, um etwas in meinem Körper und meinem Geist zu spĂŒren. Das ging einige Monate lang so. Auch wĂ€hrend meines Praktikums im EuropĂ€ischen Parlament in BrĂŒssel, der Institution, bei der ich schon immer arbeiten wollte. Aber mein Geist war zumindest anfangs nicht dort. Schließlich nahm ich all meine Kraft zusammen und ging zu einem Psychiater.

Wir hören, dass sich in der KĂŒche alle an die Essensvorbereitung machen. „Können wir den Tisch decken?“, fragt meine Mutter. „Es wird noch einen Moment dauern“, antwortet meine Schwester, die fĂŒr dieses Interview anstelle von mir die Fragen stellt.

Austauschen

Mit 26 Jahren setzte ich mich schon viel lĂ€nger mit Politik auseinander, als meine Großmutter es im gleichen Alter tat. Als 1945 die ersten Wahlen in Frankreich stattfanden, an denen Frauen teilnehmen konnten, war sie 16 Jahre alt und damit noch nicht wahlberechtigt. Sie wusste um die Wahlen Bescheid, informierte sich aber nicht weiter darĂŒber. Ihr Interesse an der Politik nimmt in Marokko aber zu. Vor allem im Hinblick auf die Rolle, die sie dort als Franzosen hatten. Sie wurde insbesondere fĂŒr soziale Fragen, aber auch fĂŒr Politik empfĂ€nglicher. Bevor sie nach Marokko kam, konnte sie sich nicht vorstellen, dass die LĂ€nder, die von Frankreich als Protektorat oder Kolonialmacht gefĂŒhrt wurden, jemals unabhĂ€ngig werden könnten.

Françoises Politisierung nahm im Mai 1968, als die Familie nach Frankreich zurĂŒckkehrte, grĂ¶ĂŸere Ausmaße an. Sie nennt “Mai ‘68” als das prĂ€gendste Moment in ihrem engagierten Leben. Diese ganze soziale Bewegung faszinierte sie … wenn sie doch nur auch mit all den Frauen, Studentinnen und Studenten auf die Straße gehen könnte, um etwas zu verĂ€ndern. Mit fĂŒnf Kindern zu Hause war die Teilnahme an Demonstrationen begrenzt, was Françoise sehr bedauert. Sie engagierte sich dann vor allem im schulischen Bereich und nahm an den Versammlungen der Schule und des Kollegiums teil. Auch im schulischen Rahmen war vieles in Bewegung. Die Eltern kĂ€mpften dafĂŒr, in der Schule mehr Gehör zu finden und fĂŒhrten zum Beispiel die berĂŒhmten „Parents-Prof“-Treffen ein. 1

Kurz vor dem Start der Demonstrationen hatte Françoise bereits beschlossen, fĂŒr das Planning Familial  [die französische Profamilia Einrichtung] zu arbeiten2. FĂŒr Françoise bedeutet der Mai ‘68 die Befreiung der Frauen, der Zugang zu VerhĂŒtungsmitteln und die freie Entscheidung ĂŒber den eigenen Körper, was sie durch ihre Arbeit bei Profamilia verteidigte.  

Als wĂ€hrend des Interviews von Macht die Rede ist, lacht Mamie und antwortet amĂŒsiert: „Wenn ich „Macht” höre, muss ich an Papy denken, der das Thema immer wieder auf den Tisch gebracht hat.” Mein Großvater hatte Angst, seine Macht am Arbeitsplatz, aber auch zu Hause zu verlieren. Ich erinnere mich noch, wie er am Tisch gezĂ€hlt hat, wie viele Frauen und wie viele MĂ€nner anwesend waren. Eine große Frage blieb bei meiner Großmutter bestehen, nĂ€mlich wie man das Familienleben mit dem Berufsleben verbinden kann. Als sie im Rathaus von Orvault, einem Vorort von Nantes, arbeitete, war sie oft zwischen ihrer Arbeit und ihrem Leben als Mutter hin- und hergerissen. Mein Großvater ergriff im Familienleben jedoch nicht die Initiative. Die Schwiegermutter meiner Großmutter sagte zu ihm damals: „Aber warum arbeiten? Die Frauen haben doch zu Hause die Macht!“. Françoise spricht lieber von Verantwortung als von Macht. Macht hat fĂŒr sie etwas Ungesundes und Verborgenes. Aber wenn Frauen Verantwortung tragen, wird ihnen oft das Etikett „autoritĂ€r” angeheftet, meint meine Großmutter. „Man vergisst oft, dass Verantwortung bedeutet, Entscheidungen zu treffen„, fĂ€hrt Françoise fort.  

Macht ist fĂŒr mich etwas, von dem mir immer gesagt wurde, dass ich es habe, zum Beispiel, indem mir gesagt wurde: „Du kannst werden, was du willst“, „Du kannst studieren, was du willst“, „Du kannst kĂŒssen und lieben, wen du willst.“ Aber lange Zeit hatte ich nicht das GefĂŒhl zu wissen wie es geht. Ich hatte nicht die SchlĂŒssel, um meine eigenen WĂŒnsche und Interessen zu kennen und auch nicht die, die mir zugeschrieben wurden. Wahrscheinlich gab es auch einen Teil Selbstzensur in Bezug auf die Erwartungen der Gesellschaft, die ich zu erfĂŒllen hatte. Mamie schaut mich sehr verstĂ€ndnisvoll an. „Es stimmt, dass es Dinge gibt, die nicht unbedingt gesagt werden, sondern implizit sind.“

WĂ€hrend des Interviews suche ich ein wenig nach Worten, ich habe einige Gedanken im Kopf, die ich meiner Großmutter mitteilen möchte, aber wenn ich laut spreche, habe ich das GefĂŒhl, dass meine SĂ€tze keinen Sinn ergeben. Ein Gedanke entgleitet mir fĂŒr ein paar Sekunden und ich versuche, mich daran zu erinnern. Aber das ist nicht nötig, Mamie bringt mich auf die Spur: „Es stimmt, dass in dem Buch von LĂ©a SalamĂ© 3 viele Frauen sagen, sie mĂŒssten mehr liefern, um ernst genommen zu werden. Und manchmal hört man auch Frauen weniger zu.“ Ja, „zuhören“ ist das, wonach ich gesucht habe. Ich teile mit etwas Verlegenheit mit, dass ich manchmal und auch heute noch merke, dass das, was ein Mann zu mir sagt, einen grĂ¶ĂŸeren Einfluss auf mich hat, als wenn eine Frau dasselbe zu mir sagt. „Da sind wir uns einig. Es ist nicht schockierend, nicht schrecklich, aber es gibt einiges zu verstehen“, schließt Mamie. Wir diskutieren darĂŒber, woher es kommen mag, die Stimme vielleicht, wahrscheinlich. Die AutoritĂ€t und die Macht, die man bestimmten Personen zusteht, schon nach wenigen gesprochenen Worten.

Wir tauschen uns noch eine Weile aus ĂŒber Frauen, MĂ€nner und Geschlechter, die aus dem binĂ€ren Schema ausbrechen. Ich beschreibe Mamie eine Welt im Übergang, den Wunsch vieler Menschen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Ein bisschen im Geiste der 68er, mit derselben Idee, nĂ€mlich dass in der Gesellschaft ein tiefgreifender Wandel im Gange ist. Wir leben in einer Zeit, in der ein Wandel unvermeidlich ist. Mir scheint, dass man in dieser Zeit viel Resilienz braucht, um nicht ĂŒberfordert zu werden. Ich erzĂ€hle ihr auch von einem fĂŒr mich einschneidenden Ereignis, durch das ich viel ĂŒber meine geistige Konstitution gelernt habe.

WĂ€hrend des ersten Lockdowns wohnte ich mit einer Freundin zusammen, deren Eltern beide aus Afghanistan geflohen waren, als sie Mitte zwanzig waren. Wir haben einen Ă€hnlichen Bildungsweg: Wir besuchten die gleiche Grundschule, das gleiche Gymnasium, studierten Politikwissenschaften und lebten zusammen in Berlin. Sie erzĂ€hlte mir oft von ihrer Verzweiflung ĂŒber die Diskriminierung und den Rassismus, die ihr in Berlin begegnen, dieser Stadt, die so bekannt ist fĂŒr ihre Offenheit. Sie erzĂ€hlte mir von ihrem Überdruss an einem Europa, das so weiß ist und so widersprĂŒchlich in den Werten, die es in den Vordergrund stellt, und den Maßnahmen, die es durchfĂŒhrt. Ich versuchte, sie davon zu ĂŒberzeugen, sich genau aus diesen GrĂŒnden zu engagieren, um etwas zu verĂ€ndern. Was ich mir unter dem EU-Motto „in Vielfalt vereint“ vorstellte, war sicherlich nicht, eine schwarze Person auf ein Poster zu setzen, nur um die „Diversity-Quote“ steigen zu sehen. Am 6. Juni 2020 gehe ich mit ihr und anderen auf den Alexanderplatz in Berlin zur „Black Lives Matter”-Demonstration. Und dort verstand ich, warum meine Freundin wĂŒtend wurde, als ich ihr sagte: „FĂŒr mich sind wir gleich, die Hautfarbe spielt keine Rolle“. Ich dachte, ich hĂ€tte gelernt, nicht rassistisch zu sein, aber ich war es. Ich dachte, ich hĂ€tte verstanden, was meine Freundin mir sagte, aber in Wirklichkeit hatte ich nur die Worte verstanden, aber nicht die Schwierigkeit dahinter. Ich dachte, man sollte mehr diverse Menschen dazu bringen, sich fĂŒr Europa zu engagieren, dabei war ihr Groll an diesen Tag so sichtbar und so verstĂ€ndlich. 

Seit fast zwei Stunden tauschen wir uns aus, stellen uns Fragen und diskutieren. „Wirklich, es ist Zeit zu essen”, sagt meine Mutter. Wir beenden unser GesprĂ€ch, indem wir uns ĂŒber Europa austauschen. Meine Großmutter ist ĂŒberzeugte EuropĂ€erin und Föderalistin, ohne es zu wissen, und sagte mir Anfang des Jahres: „Es wĂ€re schön, wenn Europa mehr Einfluss auf soziale und gesundheitliche Fragen hĂ€tte.“ Das Narrativ von Europa als Garant fĂŒr den Frieden ist fĂŒr meine Großmutter tatsĂ€chlich wahr. Die AnnĂ€herung zwischen Frankreich und Deutschland und vor allem das Treffen zwischen Helmut Kohl und François Mitterrand im Jahr 1984 war fĂŒr ihre Generation, die noch immer von den Deutschen als „Boche” 4 sprach, unglaublich: Eine Wende, eine echte Wende! 

Ich muss meiner Großmutter mein Engagement fĂŒr Europa nicht erklĂ€ren, sie kennt und unterstĂŒtzt es. Diesmal erzĂ€hle ich ihr von meinen Verwirrungen als junge Frau, die von Land zu Land zieht und sich oft in den BehördengĂ€ngen verliert, alle paar Jahre zwischen Sozialversicherungen verschiedener LĂ€nder jongliert und nicht genau weiß, in welchem Land sie ihre Steuern einreichen soll. Manchmal habe ich das GefĂŒhl, dass mein europĂ€isches Dasein, viel mehr Anstrengung und eine Gehirngymnastik erfordert, die dreimal so groß ist wie der Wechsel der Sprachen wĂ€hrend eines GesprĂ€chs.

Informationen: 

Wenn Du selbst Sorgen oder Probleme hast, ganz gleich welcher Art, wende Dich an eine Person Deines Vetrauens und/oder an die Telefonseelsorge.

Deutschland
Telefonseelsorge

http://www.telefonseelsorge.de
Telefon: 0800 111 0 111
Telefon: 0800 111 0 222

Belgien

Centrum Ter Preventie Van Zelfdoding
http://www.zelfmoord1813.be
Telefon: 1813

Frankreich

S.O.S Amitié
http://www.sos-amitie.org
Telefon: 01 42 96 26 26

International

Befrienders
http://www.befrienders.org
 

Fußnoten: 

1. Elternabend

2. Planning Familial: 1960 in Frankreich gegrĂŒndet. Kostenlose Informations-, Orientierungs- und Hilfsstelle fĂŒr alle Themen im Zusammenhang mit VerhĂŒtung, SexualitĂ€t, Liebesbeziehungen, aber auch Freundschaften und Familienbeziehungen. Begleitung wĂ€hrend Schwangerschaften oder SchwangerschaftsabbrĂŒchen

3. LĂ©a SalamĂ©, “femmes puissantes”. Les Arenes Eds, 2020 (LĂ©a SalamĂ© ist eine französische Journalistin und Autorin).

4. Herablassende, hĂ€ufig diffamierende Bezeichnung fĂŒr Deutsche, die Anfang des 20. Jahrhundert von Franzosen benutzt worden ist.

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